Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

Kleinlibellen oder Wasserjungfern (Zygoptera)

Männchen verzehrt eine Zwergzikade
Männchen verzehrt eine Zwergzikade

Merkmale

Die Gemeine Becherjungfer ist eine typische Schlanklibelle mit einer Körperlänge von 29–36 mm und einer Flügelspannweite von 40–45 mm. Die Männchen haben eine hellblaue Grundfarbe mit jeweils schwarzen Zeichnungen an den Segmentenden des Hinterleibs. Auf dem zweiten Hinterleibsegment findet sich die namensgebende Zeichnung in Form eines gestielten Bechers.

Die Weibchen sind kräftiger gebaut; die schwarze, jeweils zu den vorderen Segmentstößen lanzettartig zugespitzte Zeichnung ist ausgedehnter als bei den Männchen. Die Weibchen treten in verschiedenen Farbvarianten auf. Es gibt androchrome, wie die Männchen gefärbte Weibchen, und grünliche oder hell bräunlich-graue Formen. Von letzteren ist noch nicht geklärt, ob es sich eventuell um die Jugendform der grünen Ausprägung handelt. Die Häufigkeitsverteilung der verschiedenen Farbmorphen variiert regional stark.

Die typische Blaufärbung wird erst während der Ausreifung in den Tagen nach dem Schlüpfen gebildet. Diese Färbung ist nicht an Pigmente gebunden, sondern wird durch die Lichtbrechung an einer Suspension mikroskopischer Partikel vor einer schwarzen Pigmentschicht innerhalb der Epidermiszellen gebildet und von außen durch die durchsichtige Kutikula wahrgenommen.

Die Länge der Larven beträgt 14–18 mm, die der Kiemenblättchen zusätzlich noch einmal 6–7 mm. Die Farbgebung des gesamten Körpers ist sehr variabel und reicht von grün bis dunkelbraun. Die Kiemenblättchen können, auffällig gewedelt, als Drohgebärde gegen Artgenossen eingesetzt werden. Erbeutet werden in der Hauptsache Wasserfloh- und Zuckmückenlarven.

 Vorkommen

Sie ist in der Wahl des Lebensraums relativ anspruchslos und besiedelt eine Vielzahl verschiedener Gewässertypen – langsam fließende Bäche, Weiher und Tümpel mit offener Wasserfläche sowie Moorseen und ist daher eine der am weitesten verbreiteten und auch häufigsten Libellen Europas. Das große Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa und weite Teile Asiens, wo es zur Ausformung von Populationen mit leicht unterschiedlichen Merkmalen kommt.

Lebensweise

Die Hauptflugzeit der Imagines liegt zwischen Juni und August. Im Gegensatz zu anderen Kleinlibellen fliegt die Gemeine Becherjungfer oft über der freien Wasserfläche und nutzt hier die spärliche Vegetation, die nur wenige Zentimeter aus dem Wasser ragt, als Sitzwarte. Die Männchen halten ihre Körper dabei nahezu horizontal und sind durch dieses Spezifikum oft schon von weitem zu identifizieren. Wie die überwiegende Zahl der Kleinlibellen ist E.cyathigerum ein Lauerjäger, der potentielle Beute horizontal anfliegt, mit den Beinen ergreift und mit ihr auf die Sitzwarte zurückkehrt, um sie dort zu verzehren. Zum Beutespektrum gehören Klein- und Kleinstinsekten wie Stech- und Kriebelmücken, die Art hat aber keine spezifischen Ansprüche, sondern frisst alles, was sie überwältigen kann, auch sitzende Tiere, zum Beispiel Blattläuse oder sogar gezielt Beute aus Netzen von Radspinnen, ohne dabei in Kontakt mit dem Spinnennetz zu geraten.

Paarungsrad – oben das blaue Männchen, das grün-braune Weibchen ist heterochrom, also anders als das Männchen gefärbt
Paarungsrad – oben das blaue Männchen, das grün-braune Weibchen ist heterochrom, also anders als das Männchen gefärbt

Paarung und Entwicklung

 

Weibchen werden von den Männchen mit den Hinterleibanhängen am Prothorax gepackt, dabei sind Hinterleibanhänge und die Form des Prothoraxes artspezifisch aufeinander abgestimmt und greifen passgenau ineinander. Das Paar fliegt so verbunden als Tandem dann zickzackförmig eine weitere Strecke, wobei es von anderen, bisher erfolglos gebliebenen, Männchen verfolgt wird. Diese versuchen das Tandem zu trennen, um selbst das Weibchen ergreifen zu können. Zur Kopulation bilden die Libellen ein Paarungsrad und krümmen ihre Abdomen zurück, so dass die Kopulationsorgane sich berühren und miteinander verankern können. Zuvor füllt das Männchen seine Samenblase und führt dazu den am Ende des Abdomens liegenden Samenausführgang zu seinem weiter vorn gelegenen Kopulationsorgan. Bei der Kopulation räumt das Männchen vor der Spermaübertragung mit dem sekundären Begattungsorgan eventuell vorhandenes Sperma anderer Männchen aus vorhergehenden Begattungen aus. Dazu besitzt es an der Spitze des Penis Strukturen, mit denen es fremdes Sperma ergreifen und aus dem Genitaltrakt der Weibchen entfernen kann. Da die Eier erst unmittelbar vor der Eiablage befruchtet werden, verschafft es seinem eigenen Sperma hierdurch eine günstigere Position zur Befruchtung und sich selbst damit einen Reproduktionsvorteil.

Zur Eiablage setzt sich das Tandem auf kurz über die Wasseroberfläche hinausragende Pflanzen, wo das Weibchen mit seinem Legebohrer die Eier in lebendes oder totes pflanzliches Gewebe bohrt und so bis zu acht Eier pro Minute legt.

Das Männchen bleibt dabei zunächst am Weibchen angekoppelt, welches während der Eiablage regelmäßig rückwärts unter Wasser abtaucht. Sobald das Weibchen vollständig unter Wasser ist, trennt das Männchen die Verbindung. Das Weibchen dreht sich dann um und steigt kopfüber weiter bis zu 90 Minuten unter Wasser, während es die Eier einbohrt.

Zwei bis drei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven. Bis zur Umwandlung zur Imago durchlaufen die Larven zehn bis zwölf Häutungsstadien. Die Larve überwintert in einem der letzten Häutungsstadien. Die Schlüpfperiode liegt zwischen Ende April und Anfang September mit der größten Schlupfrate im Juni. Im Gegensatz zu vielen anderen Kleinlibellenlarven, die zum Schlüpfen an das seichte Ufer wandern, nutzt E.cyathigerum meist senkrechte Halme der offenen Wasservegetation. Der Schlupf erfolgt dann nur wenige Zentimeter über der Wasserfläche.

Text nach Wikipedia gekürzt.

Bilder: L.B.Tettenborn Eig. Werk, Wikimedia CC BY-SA 3.0

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Vogel des Jahres 2017 -  Der Waldkauz  Foto: NABU/Marcus Bosch
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